Die Wohnsitzauflage: Wohnort wider Willen

Während des Asylverfahrens können geflüchtete Menschen sich nicht selbst aussuchen wo sie wohnen. Selbst wenn sie als schutzberechtigt anerkannt werden, müssen sie in der Regel weitere drei Jahre in dem ihnen zugewiesenen Bundesland leben. Die Wohnsitzauflage bedeutet für viele Menschen ein großes Hindernis in ihrer persönlichen Entwicklung. Genauso wie Einheimische möchten sie mit ihnen vertrauten Menschen wie Familienangehörigen leben oder dort wohnen, wo die Chance auf einen Arbeitsplatz am Größten ist. Durch die Wohnsitzauflage werden ausgerechnet geflüchtete Menschen dazu gezwungen, ihr neues Leben dort zu beginnen, wo Einheimische wegen mangelnder Zukunftschancen abwandern. Aus guten Gründen haben einige Bundesländer entschieden, dass sie die Wohnsitzauflage nicht anwenden oder abmildern.

 

Khalid aus Syrien


Khalid: Warum musste ich auf der Straße leben, wenn ich bei meinem Bruder leben könnte?


Wie war deine erste Zeit in Deutschland?

Mein Weg in Deutschland begann in Bayern. Nachdem mir das Amt gesagt hatte, dass ich aus der Sammelunterkunft ausziehen muss, weil das Gebäude anderweitig gebraucht wird, haben sie mich bei der Wohnungssuche allein gelassen. Ich bin obdachlos geworden und bis ich durch Freunde etwas gefunden habe, musste ich sogar unter Brücken schlafen. Ich beschloss, zu meinem Bruder nach Münster zu ziehen und auch das Jobcenter in Münster stimmte zu. Es schien, als wendete sich alles zum Besseren. Ich konnte einen Integrationskurs beginnen, in eine WG in Münster ziehen und fand Freunde und Freundinnen. Drei Monate später forderte mich das Jobcenter Münster auf, nach Bayern zurückzukehren. Ich war erschüttert: Alles, was ich mir hart erarbeitet habe, sollte ich zurücklassen.

 

Was ist dann passiert?

Es wurde immer absurder: Ich durfte erst einen Antrag  Aufhebung der Wohnsitzauflage stellen, als ich wieder nach Bayern gezogen bin und mich bei allen Behörden dort anmeldete. Sie halfen mir aber weiterhin nicht, ein Zimmer zu finden und so landete ich schließlich in einer Sammelunterkunft an der österreichischen Grenze. Wir waren zu viert in einem Zimmer, hatten keine Beschäftigungsmöglichkeiten, konnten nicht zur Schule gehen und die nächste Bushaltestelle war drei Kilometer entfernt, von dort dauerte es eineinhalb Stunden bis zur nächsten Stadt. Meine Sprachkenntnisse verschwanden und ich fürchtete, dort vergessen zu werden.

 

Was hat dir Hoffnung gegeben?

Ich wusste, dass ich nur mit einem Arbeitsplatz wieder zurück nach Münster kommen konnte. Freunden und Freundinnen haben mich die ganze Zeit unterstützt. Sie haben zwischenzeitlich sogar meine Miete und Lebensunterhaltungskosten getragen und telefonierten. Sie telefonierten endlos lang mit Behörden und halfen mir letztlich auch, einen Arbeitsplatz zu finden. Irgendwann habe ich mit ihrer Hilfe einen Arbeitsvertrag bekommen und konnte endlich zurück nach Münster ziehen.

Mein größter Wunsch ist es, einfach zur Ruhe zu kommen, meine Schulden zurückzuzahlen und meiner Arbeit nachzugehen.


 

Am 24. September hast du die Wahl! Informier’ dich, welche Partei deine Interessen und die von Khalid vertritt. Nutze dafür zum Beispiel das Angebot des Sozial-O-Mat, der sich vor allem mit sozialen Themen beschäftigt!

 

Quellen:

Staatliche Unkultur: Wie der Staat der Willkommenskultur Grenzen setzt (Proasyl)
Wohnsitzauflagen: Integrationspolitisch absurd, rechtlich problematisch (Proasyl)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.